Nächster Recruiting-Hype: Nutzerfreundlichkeit


Heute fand in Frankfurt am Main das OTaC Event, also Kongress und Award Ceremony zum alljährlichen Ranking von Potentialpark, statt.

Frankfurt

Diese Rakings von Potentialpark werden ja teils kritisch gesehen – und ganz klar, der Ansatz „viel hilft viel“ passt nicht für jedes Unternehmen. Ich persönlich bin aber trotzdem der Überzeugung, dass man mit den Ergebnissen der jährlichen Studien gut arbeiten kann. Mit über 1000 Befragten in Deutschland sollte man auf alle Fälle mal zuhören, was jene Befragten zu sagen hatten.

Die Ergebnisse der Studie haben für mich noch einmal bestätigt, was ich vor ein paar Wochen schon mal orakelt habe und ich an mir, bzw. Entwicklungen im Internet generell beobachte – nämlich dass die Internetuser von heute keine Zeit/Bock für komplizierten Sch**ß haben. Die Technologie ist seit den ersten selbst im Netscape Composer (das war noch ’ne Zeit) geschriebenen Seiten weiter, der Nutzer erwartet also etwas Komfort.

 

Wie E-Commerce dem Recruiting zeigt, wo’s lang geht

Getrieben wurde das nicht zuletzt durch die Big Player im Onlinevertrieb. Spiegel Online vergleicht Leichtigkeit einer Bestellung und Transparenz der Angebote mit Hotelportalen, ich würde das Beispiel Amazon ranziehen: Wer kauft noch etwas, ohne sich die Rezensionen vorher angeschaut zu haben? Und wer genießt nicht die super-easy Kaufabwicklung, die (wenn ich 1-Click-Bestellung nutze) halt mal nicht mehr als eine Sekunde dauert? Oder wie genial ist es, im Kundenchat ein Anliegen sofort zu klären, anstatt Tage auf eine E-Mail zu warten?

Amazon hat sich diesem Kundenerlebnis verschrieben, dem Kunden hat’s geschmeckt und jetzt überträgt sich das auch auf andere Prozesse im Internet. Da liest der Bewerber auch Rezensionen auf Kununu und bricht die Bewerbung ab, wenn’s unnötig kompliziert wird und ewig lange dauern würde.

Noch ein weiteres Beispiel aus dem Onlineshopping: Paypal. Gerade heute wurde eine Studie veröffentlicht, dass die Bezahlung über Paypal mittlerweile beliebter ist als die klassische Rechnung. Ich für meinen Teil bevorzuge Paypal aus einem simplen Grund: Komfort. Ich muss mich nicht für jeden neuen Shop extra wieder registrieren, sondern greife auf Paypal zurück. Hier sind meine Daten hinterlegt, Bezahlung flutscht in paar Sekunden. Und die Entwicklung sehen wir jetzt auch langsam in den Jobportalen. Auf Xing und LinkedIn sind meine Daten hinterlegt, warum also nochmal wieder registrieren?

Ebenso kommt das Thema „Matching“ aus dem Onlinehandel. Wer schielt nicht immer mal wieder auf die kleine Einblendung in der Seitenleiste von Amazon „Sie haben es sich verdient“? Amazon weiß, wer ich „bin“ und was mir gefallen könnte. Und da kommen jetzt plötzlich auch die Bewerber, sagen „hier bin ich“ und fragen „was habt ihr?“.

 

Muss ich da jetzt mitmachen bei dem Hype?

Stellt sich die Frage, ob man bei diesem Trend auch mitmachen muss. So ein paar Hypes sind ja schon mit lautem Getrommel gekommen, haben gewütet und sind weitergezogen, ohne dass heute ein Hahn nach ihnen kräht. Doch ist Benutzerfreundlichkeit ein Hype? Ist eine gute User Experience etwas, das man aussitzen kann? Man kann ja, um beim Beispiel Amazon mal schauen, mal nachgucken, wie prima die Strategie für den Quelle Versand aufgegangen ist…

Amazon zeigt einfach sehr gut, dass es keine verkehrte Idee ist, sein Geschäft am Kunden auszurichten. Na klar, die werden auch nicht jubeln, wenn wieder jemand was zurückschickt. Und dennoch motzen sie nicht, sondern nehmen das Produkt anstandslos (so zumindest meine Erfahrung) zurück. Denn die haben’s verstanden – Kundenorientierung führt zum Erfolg.

 

„User Expectation“ rennt der „User Experience“ gandenlos davon

Beim OTaC Event wurde sehr schön gezeigt, dass die „User Expectation“ der „User Experience“ gnadenlos davonrennt. Heißt im Umkehrschluss, dass die Unternehmen nicht hinterherkommen, die bestehenden Möglichkeiten der Technik zu nutzen. Woran liegt’s?

Bei manchen Entscheidern wird evtl. noch der Grundsatz „wer Interesse hat, wird sich bei uns schon durchkämpfen“ festsitzen. Aber ich glaube, das ist eine aussterbende Meinung. Viel mehr wird es der damit verbundene Aufwand sein. Man ersetzt eben mal nicht von heute auf morgen sein Bewerbermanagement-System mitsamt aller dranhängenden Konzernprozesse. Und auch nicht jedes Budget wird das hergeben, was da an IT-Aufwand dahintersteckt. Denn Fakt ist, so einfach es für den Bewerber im Frontend wird, desto mehr müssen die IT-Abteilung bei der Programmierung und HR im täglichen Doing schwitzen.

Heute schlagen wir ja auch melancholisch die Hände über dem Kopf zusammen beim Gedanken an Bewerbungsunterlagen aus Papier (also meine Kollegen, ich selbst habe mich schon nicht mehr auf Totholz beworben) und Bewerbermanagement über die Hauspost. Also mal schauen, wie die Welt in 5 Jahren aussieht…

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