Was werden die Trends in Recruiting und Employer Branding 2015?


Das neue Jahr hat begonnen, daher will ich meinen Blog gleich mal mit einem Blick in die Glaskugel beginnen. Und ich sag’s gleich vorab, es wird ein sehr subjektiver Blick in die Glaskugel.

Frohes neues Jahr 2015

Was war 2014 los in Employer Branding und Rekrutierung?

Aus meiner Sicht sind im letzten Jahr die wirklich großen Überraschungen ausgeblieben. Vielleicht muss man aber auch sagen, dass niemand wirklich etwas bahnbrechend Neues erwartet hätte.

Was waren also die Themen 2014, die Recruiting und Employer Branding bewegt haben und welche Rolle spielen sie noch dieses Jahr?

  • Active Sourcing ist so eine Sache, dessen Durchbruch jedes Jahr aufs Neue prophezeit wird. Das Schreckgespenst Fachkräftemangel macht es erforderlich, dass der Recruiter 2.0 seine und andere Netzwerke nach passenden Bewerber durchkämmt und diese persönlich anspricht. Der Bewerber 2.0 hält also seinen Xing-Auftritt frisch und wartet, bis der nächste Job anklopft.
    Doch wenn man sich so umhört, ist das auch 2014 bei wenigen Unternehmen ein Thema gewesen. Wie Prof. Christoph Beck in einem Interview richtig feststellt, fehlt es einfach an Zeit und Ressourcen. Solange der viel zitierte „War for Talents“ also nicht deutlich anzieht, wird Active Sourcing also wahrscheinlich wieder kein Thema für die breite Masse der Recruiter sein.
  • Mobile Recruiting setzt sich ganz langsam durch. Die unbestreitbar steigenden Zahlen mobiler Internetnutzung machen es unumgänglich, seine Karriereseiten mobil zu optimieren. Schnell mal Stellenangebote unterwegs auf dem Smartphone checken, ist bei Bewerbern mittlerweile Alltag und auch relativ klar formulierte Erwartungshaltung an Unternehmen, ihnen diese Möglichkeit zu bieten.
    Etwas anders sieht es jedoch beim eigentlichen Bewerben aus. Es scheint, dass die Unternehmen hier im Wettrennen um die Vorreiterrolle den Bewerbern davongesprintet sind. Auch wenn Studien von einer Bereitschaft zwischen 20-30% für eine mobile Bewerbung sprechen, so kenne zumindest ich keine Beispiele für Unternehmen, bei denen mobile Bewerbungen wirklich relevante Größen erreichen. Könnte also 2015 relevant werden, wird es wahrscheinlich aber (noch) nicht.
  • Social Media hat die letzten Jahre im Employer Branding dominiert. Keine Arbeitgebermarke, die was auf sich hielt, durfte in den sozialen Netzwerken fehlen. Doch was ist aus dem Hype geworden?

Haben Facebook, Twitter & Co. die hohen Erwartungen erfüllt?

Soziale Medien wurden lange als Heilsbringer im Employer Branding angesehen. Während professionelle Karrierenetzwerke wie Xing oder LinkedIn im Recruiting einen unverändert hohen Stellenwert einnehmen, so scheint in der Welt von Facebook und Twitter die Goldgräberstimmung vorbei, der Kater nach der großen Party hat eingesetzt. Woran liegt das? Die Gründe sind zahlreich:

  • In den sozialen Medien aktiv zu sein, bedeutet ein langfristiges Commitment, das dann auch langfristig Ressourcen bindet. Nichts ist schlimmer, als wenn einem nach wenigen Monaten / Jahren die Puste ausgeht und nur noch relativ planlos Belangloses Tag für Tag gepostet wird. Doch an mancher Stelle wird genau das aktuell beobachtet.
  • Wenn man sich die Auftritte mancher Unternehmen ansieht, dann dürften diese ihre Entscheidung bereut haben, mit Kunden so in Kontakt zu treten. So manches Unternehmen hat auf seinem Wetterbericht jeden Tag Shitstorm stehen. Kein einziger Post ohne Mecker-Kommentare. Gleichzeitig habe ich in letzter Zeit immer stärker bemerkt, dass Unternehmen bei Kundenanfragen schlichtweg keine Lust / Zeit mehr haben, überhaupt oder mit etwas anderem als Textbausteinen zu antworten. Vielleicht auch hier wieder das Thema Ressourcen: Die Zielgruppe hat den Kanal angenommen und plötzlich wird es eng in der Social Media Redaktion mit dem Management aller Kanäle.
  • Noch immer ist umstritten, welchen Nutzen die Social Media Auftritte der Arbeitgeber wirklich haben. Zwar lassen sich Kennzahlen zur Interaktion und Verweildauer der Besucher erfassen, doch handfeste Zahlen, wie viele Stellen durch Facebook- oder Twitter-Posts wirklich besetzt werden konnten, lassen sich nur schwer erheben und bringen wohl auch oft nicht die erhoffte Zahl. Und selbst jene Zahlen, die sich erheben lassen, deuten oftmals eher darauf hin, dass aller online-sozialer Kontakt relativ nutzlos sein könnte.
  • Es wird allmählich Realität, wovor schon lange gewarnt wird: Auf externen Kanälen ist man den Betreibern und ihren Regeln ausgesetzt. Sehr deutlich wird das beim Facebook News Feed Algorithmus. Seit dieser kräftig verändert wurde, tauchen die Neuigkeiten gelikter Seiten immer seltener beim Nutzer auf. An vielen Stellen hört man von drastischen Einbrüchen beim „Organic Reach“, also dem Auftauchen von Posts bei seinen Fans im Newsfeed ohne dass man dafür bezahlen muss. Für die vormals kostenlosen Kanäle muss nun Geld in die Hand genommen werden, um den teuer gewonnen Fans wieder Nachrichten zukommen zu lassen. Und im November kündigte Facebook sogar an, die Anzahl der Promoted Posts im Newsfeed noch weiter nach unten zu drücken.
  • Und zuletzt offenbart ein Blick auf weitere Kennzahlen bei Facebook ebenfalls, dass die besten Zeiten dieses bisher unvergleichbar erfolgreichen Netzwerks gezählt sein könnten.

 

Was ist da los bei Facebook?

Facebook konnte seine Nutzerzahlen erhöhen, mittlerweile ist man irgendwo bei 1,3 Milliarden registrierten Profilen angekommen. Dennoch kein Grund zum Feiern für das soziale Netzwerk, denn der Anteil aktiver Nutzer sinkt massiv. Mittlerweile posten nur noch 38 Prozent der Nutzer aktiv Inhalte, 2013 waren es noch nahezu 60 Prozent. Auch im privaten Umfeld merke ich einen gewissen Verdruss, was Facebook angeht.

Doch gerade davon lebt Facebook. Man muss sich immer wieder vor Augen halten, dass der EINZIGE Stützpfeiler von Facebooks Geschäftsmodell die aktive Beteiligung der User ist. Ich bin bei Facebook, weil ich sehen will, was im Leben meiner Freunde los ist. Wenn Facebook dies nicht mehr leistet, werden die Nutzer das Netzwerk verlassen oder zu Karteileichen.

Fakt ist, im Internet hat noch kein Konzept ohne Veränderung lange überlebt. Myspace, StudiVZ und wie sie alle heißen sind faktisch tot. Glaubt man manchen Studien, dann versinkt auch Facebook noch in diesem Jahrzehnt in der Irrelevanz.

 

Wer hat Facebook kaputt gemacht?

Glaubt man „Experten“, dann hat Facebook ein Imageproblem. Gerade junge Nutzer sind abgeschreckt, dass sich plötzlich Lehrer und Eltern in Facebook breit machen. Die Zeiten sind vorbei, in denen man unbedarft jedes Partyfoto hochgewuppt hat, um es aller Welt zu zeigen.

Und nicht zuletzt sind da ja noch die ganzen Unternehmen. Wie oft wurde davor gewarnt, dass der böse Personaler die privaten Profile der Bewerber durchsucht? Sind also wir Arbeitgeber jetzt auch noch Schuld?

Karriereseiten und Unternehmensseiten haben maßgeblich dazu beigetragen, dass Facebook uncool geworden ist, denn es widerspricht dem ursprünglichen Zweck des privaten Austauschs. Mal Hand auf’s Herz, niemand ist doch Facebook beigetreten, um irgendwelchen Unternehmen zu folgen.

 

Welche Alternativen zu Facebook bieten sich in 2015 an?

„The next big thing“, da wartet jeder drauf. Und natürlich will jeder der erste gewesen sein. Das Ding ist, „things“ gibt’s gerade haufenweise, aber so richtig „big“ wird nix. Twitter kommt hierzlande seit Jahren nicht in die Puschen, Pinterest und Google+ sind nie durchgestartet, auf Foursquare lief auch nix, die meisten Corporate Blogs wollen auch nicht so recht durchzünden.

Wo treiben sich die Nutzer also rum? Ein Blick auf die Zahlen offenbart die neuen aufsteigenden Sterne, nämlich allen voran Messenger wie Whatsapp oder Netzwerke wie Instagram. Instagram hat kürzlich die Marke von 300 Millionen Nutzern geknackt, im August 2014 verkündete Whatsapp, bei 600 Millionen aktiven Nutzern zu stehen und auch andere Messenger wie z.B. Snapchat laufen mit aktuell schon 100 Millionen Nutzern ganz ordentlich.

Doch wie kann ich das im Personalmarketing oder zur Unterstützung meiner Arbeitgebermarke nutzen? Nehmen wir mal Instagram, wovon ich privat ein sehr großer Fan bin. Doch glaube ich, dass es sich zum Employer Branding eignet? Leider nein. Als sehr visuelles Netzwerk muss ich auch gewisse visuelle Reize bieten. Das gelingt Marken mit starken Produkten, die auch jetzt schon ihre Schuhe oder Autos dort präsentieren. Für alle anderen wird es schwer.

Early morning. Dark roast. #NowBrewing

A post shared by Starbucks Coffee ☕ (@starbucks) on

 

Und Messenger fallen komplett raus aus jeglicher Betrachtung. Hier kann ich keinerlei Werbung betreiben. Klar, ich könnte diese als Kommunikationskanal anbieten, aber das tangiert nur Personen, die bereits an mir als Arbeitgeber interessiert sind. Ich erschließe mir hier keine neuen Bewerber.

 

„Fuck off!“ also das Thema für 2015?

Der Aufstieg der Messenger zeigt, dass auch die größten Oberhipster plötzlich wieder Gefallen finden an einer gewissen Privatheit – im Gegenteil, umso privater, desto mehr Hipster. Wenn Unternehmen diesem Trend folgen, dann wäre das eine Abkehr von einem Prinzip, das die Social-Media-Experten seit Jahren predigen: „Unbedingt dort sein, wo die Zielgruppe ist“. Wenn die Zielgruppe das Angebot aber nicht annimmt oder sogar gleich aus dem Netzwerk flüchtet, ist vielleicht etwas falsch an dem Prinzip.

Wie sagte es Herbert Grönemeyer kürzlich so schön? „Fuck off! Fuck off, hab ich gesagt!“ und „Ich bin privat hier, du Affe!“. Werden wir in 2015 also den Rückzug der Karriereseiten aus den sozialen Netzwerken beobachten? Wohl kaum, aber es wird Veränderungen geben:

  1. Die Erwartungen an soziale Netzwerke werden realistischer werden. Social Media ist ein Kanal unter vielen und nicht die Antwort für alle Fragen und alle Unternehmen.
  2. Kennzahlen werden noch wichtiger werden, um (so weit möglich) objektiver über den Erfolg eines Kanals urteilen zu können.
  3. Ansprüche an Erreichbarkeit und Reaktionen in den Kanälen werden sich verändern. Viele Unternehmen reagieren schon jetzt nicht mehr auf jeden Kommentar und haben auch an Wochenenden und nachts mal frei.

 

Frühjahrsputz 2015

Wenn nicht mehr alle Power in die sozialen Netzwerke fließt, dann gibt das Ressourcen frei für z.B. einen „Frühjahrsputz“ im eigenen Haus.

Frühjahrsputz

Auf der Agenda 2015 vieler Konzerne werden Maßnahmen zur Verbesserung der User Experience für Bewerber stehen. Das kann die Möglichkeit sein, die Seiten mobil optimal abrufen zu können oder eine Vereinfachung des Bewerbungsprozesses. Nichts ist schlimmer, als bereits interessierte Bewerber im E-Recruiting-Prozess wieder zu verlieren, weil das Bewerbertool nicht oder zu kompliziert funktioniert.

Desto mehr Bedeutung soziale Netzwerke als Trafficlieferanten verlieren, umso wichtiger werden gerne vernachlässigte Themen wie SEO, also die Suchmaschinenoptimierung meiner Texte und Bilder auf den eigenen Seiten. Gleichzeitig wird die Suche nach neuen Kanälen fürs Personalmarketing weitergehen. Vermehrt wird man daher vermehrt Ausflüge auf neue Werbekanäle wie z.B. Spotify sehen.

Zudem muss man sich Gedanken machen, wie Storytelling außerhalb eines Social Media Newsfeeds aussehen kann. Hier haben gerade die klassischen Medien mit tollen Beispielen für modernes Storytelling bereits einiges vorgelegt. Ganz hervorragend funktioniert das Erzählen von Gesichten natürlich auch über Videos. Im Vordergrund müssen dabei Mitarbeiter und deren Erfahrungen stehen, in den Hintergrund rücken sollten schicke Bilder und imposante Foyers der Firmenzentralen. Vielleicht erleben wir auch nochmal eine Welle neuer oder veränderter Corporate Blogs.

In 2015 werden aber auch sehr spezialisierte Angebote die Besucher anlocken. Hier meine ich aber weniger Jobbörsen, sondern Services, die ich hier mal in die Kategorie Smart Recruiting packen will. Aber was genau macht solche Angebote aus?

 

Smart Recruiting

Es lässt sich relativ schnell zusammenfassen: Sie müssen einen Mehrwert bringen. Klingt nicht nach einer wahnsinnig bahnbrechenden Erkenntnis, wird aber öfter missachtet als man denkt. Beispiel Smartphone-Apps. Was installiere ich mir wohl?

  1. Die Karriereapp eines einzelnen Unternehmens.
  2. Die App einer Jobbörse.
  3. Die App, die mir alle verfügbaren Stellenangebote aus verschiedenen Quellen anzeigt.

Wer die Antwort nicht geraten hat, kann ja mal im Appstore seines Vertrauens nachsehen…

Im letzten Jahr kamen verstärkt Angebote auf den Markt, die bereits sehr gut verdeutlichen, wie solches smarte Recruiting funktionieren kann und wie man für die Nutzer einen echten Mehrwert schafft.

Da ist zum Beispiel die App Truffls. Hier können Bewerber und Unternehmen nach dem Tinder-Prinzip zueinander finden:

Eine wirklich geniale Sache sind Matchingdienste. So etwas gab es auch schon vor Jahren während meiner Schulzeit: Man füllt einen Test aus und erhält Vorschläge, was die beruflichen Möglichkeiten angeht. Nur sind diese Test heutzutage von jedermanns Computer oder Smartphone aus möglich. Wir sehen hier Angebote, die sehr stark über die Kompetenz- und Interessenperspektive funktionieren, aber auch Ansätze wie Watchado, die versuchen, fast wie eine Datingbörse ganz über die Persönlichkeit zu matchen. Mit einer solchen Berufsorientierung schaffe ich also ohne Frage einen Mehrwert für ganz unterschiedliche Zielgruppen.

Ich orakle mal, dass wir noch sehr viel mehr sehen werden, was im Bereich Smart Recruiting möglich ist. Events wie ein HR Hackathon zeigen, welche Bewegung in den Markt gekommen ist. Möglichkeiten des Crowdfundings, wie wir es z.B. bei Careerdate gesehen haben, erleichtern es Start-ups, mit neuen Ideen in den Markt zu kommen.

 

Fazit

Die Bedeutung von sozialen Netzwerken wird sich verändern, doch das wird neuen spannenden Maßnahmen im Employer Branding, Personalmarketing und Recruiting den Weg öffnen. Nächstes Jahr werden wir wissen, wie genau meine Glaskugel zu dem Thema war 😉

Advertisements

Ein Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s